Wer ist berechtigt, die Urkunde bei einer Hochzeitszeremonie zu lesen?

Die Lesung der Heiratsurkunde während der standesamtlichen Zeremonie darf nicht irgendjemandem anvertraut werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt diese Formalität streng, und die ministerielle Antwort von 2013 an den Senator Jean-Noël Cardoux hat entschieden: Die Lesung der Heiratsurkunde darf nicht an einen Beamten der Gemeinde delegiert werden. Nur der Standesbeamte ist befugt, dies durchzuführen.

Unterscheidung zwischen der Lesung der Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der Lesung der Heiratsurkunde

Die standesamtliche Zeremonie umfasst zwei unterschiedliche Lesungen, die oft verwechselt werden, auch von erfahrenen kommunalen Beamten. Artikel 75 des Bürgerlichen Gesetzbuchs verpflichtet den Standesbeamten, bestimmte Artikel über die Rechte und Pflichten der Ehegatten vor dem Austausch der Einwilligungen vorzulesen. Artikel 38 desselben Gesetzbuchs sieht nach dem Austausch der Einwilligungen die Lesung der Heiratsurkunde an die anwesenden Parteien vor.

Diese beiden Lesungen unterliegen demselben Prinzip: Sie fallen in die ausschließliche Zuständigkeit des Standesbeamten. Das Innenministerium hat in seiner Antwort, die im September 2013 veröffentlicht wurde, bestätigt, dass weder die Lesung der Artikel noch die der Urkunde an einen einfachen kommunalen Beamten delegiert werden kann, selbst wenn dieser den Bürgermeister während der Zeremonien üblicherweise unterstützt.

Um die praktischen Modalitäten der Lesung der Heiratsurkunde auf Espace Mariage zu vertiefen, muss man von dieser strengen rechtlichen Grundlage ausgehen, bevor man die tatsächlichen Anpassungen in Betracht zieht.

Standesbeamter: Wer kann eine Hochzeit feiern und die Urkunde lesen

Der Standesbeamte ist grundsätzlich der Bürgermeister der Gemeinde. Die Bürgermeisterstellvertreter haben von Rechts wegen die Qualität eines Standesbeamten und können daher eine Hochzeit feiern und die Urkunde ohne zusätzliche Formalitäten lesen.

Standesbeamtin einer laizistischen Zeremonie, die die Hochzeitsansprache vor den Brautleuten in einem blühenden Garten liest

Über den Bürgermeister und seine Stellvertreter hinaus kann ein Gemeinderatsmitglied eine Delegation von Funktionen als Standesbeamter durch einen Beschluss des Bürgermeisters erhalten. Diese Delegation muss formalisiert werden und die betreffenden Handlungen präzisieren. Ohne diesen Beschluss kann ein Gemeinderatsmitglied weder die Hochzeit feiern noch die Urkunde lesen.

Wir empfehlen, die Existenz und Gültigkeit dieses Beschlusses systematisch zu überprüfen. Eine Hochzeit, die von einer Person gefeiert wird, die nicht die Qualität eines Standesbeamten hat, kann gerichtlich angefochten werden, was ein echtes Risiko für die Gültigkeit der Ehe darstellt.

Fall der kleinen Gemeinden

In Gemeinden mit geringer Bevölkerung stellt sich die Frage regelmäßig. Der Gemeindesekretär, auch wenn er die gesamte Akte vorbereitet und die Urkunde verfasst, hat nicht die Befugnis, sie während der Zeremonie vorzulesen. Diese Regel gilt ohne Ausnahme, unabhängig von der Einwohnerzahl der Gemeinde.

Wenn der Bürgermeister und alle Stellvertreter verhindert sind, erfolgt die Lösung über die Delegation an ein Gemeinderatsmitglied. In extremen Fällen (z.B. Hochzeit in letzter Minute) gibt es spezifische Verfahren, aber die Anforderung an einen kompetenten Standesbeamten bleibt bestehen.

Delegation der Lesung der Heiratsurkunde: Was erlaubt ist und was nicht

Die Verwirrung entsteht oft durch die sichtbare Rolle, die bestimmte kommunale Beamte während der Zeremonien spielen. In der Praxis kann der Gemeindesekretär die Logistik verwalten, die Ehegatten anleiten und die Dokumente vorbereiten. Diese Eingriffe betreffen die materielle Organisation, nicht die rechtliche Durchführung der Zeremonie.

Hier sind die Regeln, die die Lesung der Urkunde regeln:

  • Der Bürgermeister, als Standesbeamter von Rechts wegen, ist befugt, die Urkunde ohne besondere Bedingungen zu lesen.
  • Die Bürgermeisterstellvertreter haben dieselbe Befugnis von Rechts wegen, ohne dass ein spezifischer Beschluss für die Lesung erforderlich ist.
  • Ein Gemeinderatsmitglied muss über eine formelle Delegation durch einen Beschluss des Bürgermeisters verfügen, um die Funktionen eines Standesbeamten auszuüben.
  • Ein kommunaler Beamter (Gemeindesekretär, Verwaltungsangestellter) kann unter keinen Umständen die Urkunde lesen, selbst nicht in Anwesenheit des Bürgermeisters.

Die Antwort des Justizministeriums, die im Mai 2014 auf die Frage des Senators Éric Doligé veröffentlicht wurde, hat diese Position in identischen Worten bestätigt: Keine Delegation der Lesung ist an einen nicht amtlichen Standesbeamten möglich.

Offizielle Lesung und Eingriffe von Angehörigen: zwei verschiedene Zeiten der Zeremonie

Ein Punkt, den die konkurrierenden Artikel selten ansprechen, betrifft die Grenze zwischen dem rechtlich bindenden Teil der Zeremonie und den symbolischen Momenten, die viele Standesämter mittlerweile erlauben.

Notar in offizieller Robe, der eine Heiratsurkunde in seinem Büro in einer traditionellen Notarkanzlei liest

Die Zeugen oder Angehörigen der Ehegatten dürfen keinen Teil der offiziellen Urkunde lesen. Ihr Eingreifen findet zu einem anderen Zeitpunkt statt, der persönlichen Lesungen von Texten, Gedichten oder persönlichen Ansprachen gewidmet ist. Diese Momente haben keine rechtliche Bedeutung und ersetzen nicht die Verpflichtungen des Standesbeamten.

Diese Trennung ist im Recht klar, aber manchmal in der Inszenierung der Zeremonie verschwommen. Einige Bürgermeister lassen gerne Angehörige zwischen der Lesung der Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der Unterschrift eingreifen, was den Eindruck einer partizipativen Zeremonie erweckt. Der offizielle Teil (Lesung der Artikel, Einholung der Einwilligungen, Lesung der Urkunde) bleibt jedoch in der ausschließlichen Verantwortung des Standesbeamten.

Praktische Konsequenzen für die zukünftigen Ehegatten

Wenn Sie Ihre Zeremonie im Standesamt personalisieren möchten, kontaktieren Sie im Voraus den Standesamtdienst Ihrer Gemeinde. Die meisten Standesämter akzeptieren Lesungen von Texten durch Angehörige, solange sie nicht in die offizielle Abfolge eingreifen.

Die Lesung der Heiratsurkunde bleibt eines der wenigen Verwaltungsakte, bei denen die Delegation so streng geregelt ist. Diese Strenge schützt die Gültigkeit der Ehe und stellt sicher, dass der Standesbeamte persönlich die Verantwortung für jede Angabe in der Urkunde übernimmt. Bevor Sie einem Angehörigen oder einem kommunalen Beamten während der Zeremonie eine Rolle anvertrauen, sollten Sie sicherstellen, dass die Grenze zwischen symbolischer Feierlichkeit und rechtlicher Formalität klar bleibt, um spätere Anfechtungen zu vermeiden.

Wer ist berechtigt, die Urkunde bei einer Hochzeitszeremonie zu lesen?